Objektives Emotionales Assessment


Das „Objektive Emotionale Assessment“ (OEA) wurde in den 90ern an der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung von Prof. Boucsein entwickelt. Es stellt ein Messverfahren für das emotionale Erleben und den Grad und sowie die Art der Aktivierung dar. Das OEA kann in einem breiten Labor- und Feldkontext angewandt werden und wurde bereits vielfach in Studien und wissenschaftlichen Arbeiten validiert (z.B. Boucsein, Schaefer, Kefel, Busch, & Eisfeld, 2002; Eisfeld, Wachter, Stürmer, Schaefer, & Boucsein, 2006; Boucsein & Schäfer, 2008). Es berücksichtigt neben der üblichen Messung  mit Fragebögen auch die körperlichen (und somit objektiven) Veränderungen sowie das Ausdrucksverhalten.  Mit Hilfe dieser Methode werden also alle messbaren Komponenten des emotionalen Erlebens und der Aktivierung erfasst:

  • Das subjektive Erleben wird mit Hilfe von speziell konzipierten und auf die Fragestellung zugeschnittenen expliziten Fragebögen erfasst. Dazu wird sowohl ein geschlossenes Antwortformat (ankreuzen auf einer Skala) als auch ein offenes Antwortformat verwendet. Die standardisierten geschlossenen Antworten werden für deskriptive und inferenzstatistische Auswertungen genutzt. Offene Antworten bringen oftmals unerwartete zusätzliche Informationen, die in geschlossenen Formaten nicht zum Ausdruck kommen könnten. Um das subjektive Empfinden noch eingehender zu erfassen werden zusätzlich semi-implizite Skalen eingesetzt, die weniger anfällig für verzerrte Antworttendenzen (z. B. soziale Erwünschtheit) sind.

  • Die Körperreaktionen werden mittels Oberflächenelektroden abgeleitet. Das ursprüngliche OEA konzentrierte sich zunächst nur auf das Schweißdrüsen- und das Herz-Kreislaufsystem. Die Parameter der Herz-Kreislaufs werden mit dem Elektrokardiogramm (EKG), welches die Herzfrequenz misst und der PVA, welche das Ausmaß des peripheren Blutvolumens misst erhoben. Die Elektroden für die Aktivität der Schweißdrüsen werden an den Handinnenflächen oder Fingern angebracht, da dort das emotionale (und nicht das thermoregulatorische) Schwitzen stattfindet. Somit können objektive Aussagen über den Grad der Erregung (Herzrate), der mentalen Entspannung (Herzratenvariabilität), der Aufmerksamkeit (Pulsvolumen) und der Aktivierung (elektrodermaler Level), sowie die Intensität des Reizes (Summenamplitude der elektrodermalen Aktivität) gemacht werden.

  • Mit der Hilfe des Elektromyogramms (EMG) kann die Gesichtsmuskelaktivität erfasst werden. Somit wird neben dem subjektiven Empfinden und den körperlichen Reaktion zudem objektiv der mimische Ausdruck erfasst, welcher Rückschluss sowohl auf die emotionale Tönung als auch auf das diskrete emotionale Empfinden gibt. Beispielsweise deutet eine Aktivität des Stirnrunzlermuskel (M. Corrugator) auf eine negative Stimmung oder Skepsis hin, während ein angespannter M. Zygomaticus auf Freude und Zufriedenheit schließen lässt.

  • In jüngerer Zeit wurde das OEA noch durch die Elektroenzephalographie erweitert. Mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) kann die Aktivität der Hirnströme aufgezeichnet und ausgewertet werden, um einen noch feineren, objektiven Blick in die Vorgänge des menschlichen Körpers zu werfen und somit auf den psychischen Zustand zu schließen.

Das OEA ist die validierte Standardmethodik, auf welcher ein Großteil der Studien bei psyrecon aufbaut. Es hat sich mittlerweile in den verschiedensten Anwendungsbereichen bewährt und liefert stets überzeugende Ergebnisse.